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Interview mit Matthias Willenbacher zur Elektromobilität und der Mobilität der Zukunft

Gründer, Unternehmer, Investor, Autor und Vorreiter im Bereich Energiewende – all das ist Matthias Willenbacher, Geschäftsführer des in Mainz ansässigen Unternehmens WIWIN, einer Plattform für nachhaltiges Crowdfunding. Der „juwi“-Gründer veröffentlichte 2013 sein „unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ zur Energiewende. Im Buch widmet er unter anderem ein Kapitel dem Thema Elektromobilität. Wir haben mit ihm über dieses Thema gesprochen.

Die Fahrt im Tesla war hammeraffengeil – damit war klar: „Die Zukunft ist elektrisch“

Matthias Willenbacher, WIWIN

Matthias, stell dich doch unseren Lesern erst einmal kurz vor. Wer bist du, was machst du und was hat es mit deinem Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ auf sich?

„Mein Name ist Matthias Willenbacher. Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof, habe dann Physik, Mathe und Sport studiert. Nach einer Knieverletzung kam ich auf die Idee, etwas nachhaltig zu verändern und ein Windrad auf dem Bauernhof meiner Eltern zu bauen. Für mich war es so faszinierend, den Strom nicht einfach aus der Steckdose zu ziehen, sondern ihn selbst mit der Kraft des Windes zu erzeugen. Mit diesem einen Windrad hat sich mein ganzes Leben verändert. Das ist jetzt 25 Jahre her und seitdem habe ich mich immer mehr für eine nachhaltige Lebensweise und erneuerbare Energien eingesetzt. Im Jahr 2013 drohte in der Politik ein weiteres Abdriften – weg vom Thema Erneuerbare Energien und deren Ausbau. Ich wollte die Menschen wachrütteln, die davon überzeugt waren, dass wir gegen den Klimawandel etwas tun müssen, damit sie wiederum auch andere Menschen mitnehmen können auf diese notwendige „Reise“ der Energiewende hin zu den Erneuerbaren. Das Thema sollte zur Bundestagswahl 2013 wieder in den Vordergrund rücken.

Ich habe dann mein Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ herausgebracht, das ist auch sehr gut angekommen. Leider hat sich dann eine große Koalition gebildet, die schon wenige Monate nach Amtsantritt alles dafür getan hat, erneuerbare Energien zu bremsen. 

Mit dem Buch und meinem Angebot an die Kanzlerin wollte ich dafür werben, dass wir ganz schnell auf erneuerbare Energien umsteigen können und das auch müssen. Heute haben wir wieder die Chance, etwas zu verändern. Vielleicht wird dabei auch die Corona-Pandemie ein Stück weit einen Einfluss haben.“

Du beschreibst im Buch deine erste Begegnung mit Tesla in Kalifornien im Jahr 2007, hast dort sogar Elon Musk persönlich kennengelernt und warst der Besitzer des ersten Tesla Roadster in Deutschland. Erinnerst du dich noch an deine ersten Gedanken, als du zum allerersten Mal ein vollelektrisches Auto mit über 300km Reichweite gesehen hast bzw. dann später auch gefahren bist?

„2002 habe ich mein erstes Elektroauto gekauft. Das war der CityEL, ein 3-rädriges City-Fahrzeug, Einsitzer und mit einer maximalen Geschwindigkeit von 50km/h. Danach hatte ich ein Trike, auch wieder 3 Räder, diesmal 2 Sitzer mit einer maximalen Geschwindigkeit von 80km/h. Es war einfach hammeraffengeil, dann in einem Tesla Roadster zu sitzen und innerhalb von knapp 3 Sekunden von 0 auf 100 zu beschleunigen. Das war richtig geil und damit war vollkommen klar – unsere Zukunft ist elektrisch!“

Mit dem Model S von Tesla warst du später dann in den USA unterwegs – mittlerweile mit fast 500km Reichweite, was der Großteil der deutschen Automobilhersteller heute noch nicht garantieren kann. Tesla hat da eindeutige eine Vorreiterrolle am Markt. Du beschreibst, dass du den Fortschritt auf deutschen Straßen sichtbar machen wolltest. Wie ist dein persönlicher Eindruck von der aktuellen Situation – kommt von Seiten der deutschen Anbieter zu wenig? Hat man bereits gegen Tesla und andere aufstrebende Marken „verloren“?

„In den USA hatte ich ein Model S zunächst probegefahren und dann gekauft und per Schiff nach Deutschland transportieren lassen. Das war 2012 nicht ganz einfach, weil mir Tesla keinen Service angeboten hat. Model S gab es damals noch nicht in Deutschland . Mit Hilfe von Elon Musk konnte ich den Roadster in Deutschland fahren und bekam dazu auch den Service. Beim Model S war das dann leider nicht mehr der Fall. Das war natürlich schade und ich hätte mir sehr gewünscht, dass es funktioniert, war aber leider nicht so. Schon mit dem Roadster wollte ich zeigen, dass die Zukunft elektrisch ist.  Ich bekam eine Einladung zur nationalen Plattform für Elektromobilität und sollte dort die Aussage bringen „Elektromobilitä: ja, aber nur mit Erneuerbaren Energien“.

Die Zeit war aber leider noch nicht gekommen. Die großen Konzerne hatten nur eines im Blick, und zwar ihren Shareholder Value und möglichst den eigenen Bonus. Es ging nur darum, dort weiterhin Maximierung zu erzielen. Am Ende gipfelte das alles dann ja im Diesel-Skandal. Als ich dabei war, hat keiner der Großen auch nur im Ansatz versucht, Elektromobilität nach vorne zu bringen.  Das war alles Augenwischerei und Greenwashing.“

Deine Firma WIWIN hat ihren Sitz in Mainz, wo du auch privat lebst. Aufgewachsen bist du wie du sagtest auf einem Bauernhof auf dem Land. Wie nimmst du die Unterschiede zwischen Stadt und Land mit dem Elektrofahrzeug wahr, besonders was Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur und Alltagstauglichkeit angeht? 

„Ich lebe in Mainz, bin aber auf dem Land groß geworden, genauer gesagt in der Nordpfalz auf dem Schneeberger Hof. Persönlich kann ich nicht nachvollziehen, warum man sich kein Elektroauto auf dem Land anschaffen sollte. In der Garage hat jeder die Möglichkeit, sein Fahrzeug mit Starkstrom auch schneller laden zu können oder eine Schnellladesäule zu installieren. Photovoltaik auf der Scheune oder auf dem Hausdach – auf dem Land ist das total easy und wenn ich auf meinen Bauernhof fahre, lade ich immer gerne Windstrom. Den haben wir auf dem Schneeberger Hof immer zur Verfügung, das ist richtig toll. In der Stadt gibt es natürlich viele Menschen, die zur Miete wohnen oder eine Tiefgarage haben, wo sie keinen eigenen Netzanschluss haben.  Da ist das natürlich etwas komplexer. Entfernungen spielen heute eigentlich keine Rolle mehr. Mindest-Distanz, die ein Elektrofahrzeug zurücklegen kann sind 250, eher 300km. Damit kann man auch alle Überland-Fahrten machen.“

Langstreckentauglichkeit beim Tesla für Außendienstmitarbeiter sollte ja kein Thema sein und kompakte E-Fahrzeuge wie der i3 sind beim ausschließlich innerstädtischen Kurzstrecken-Verkehr eine umweltfreundlichere Lösung, erleichtern sicherlich dabei direkt die Parkplatzsuche. Wie sinnvoll findest du Fahrzeuge von Tesla oder aber beispielsweise den BMW i3 speziell als Firmenwagen?

„Es kommt immer darauf an, was man macht. Wenn man täglich 500-600km fährt und es gewohnt ist, 500km am Stück zu fahren – solche Leute soll es tatsächlich geben – denen rate ich natürlich nicht, mit einem Tesla zu fahren. Sind es aber Menschen, die auch mal gerne eine Pinkelpause machen und kurz einen Kaffee trinken, dann sind die Wagen ideal. Gerade Model 3 ist super sparsam, easy zu fahren, das kann ich auf jeden Fall empfehlen. Die kleineren Fahrzeuge wie i3, Nissan Leaf oder Renault Zoe, sind ideal für kürzere Strecken in der Stadt oder bei der Fahrt auf Landstraßen. Also auch das – tolle Firmenfahrzeuge, natürlich immer abhängig vom Einsatzzweck.“

Du bist als Investor bei SONO Motors involviert. Was hat es damit auf sich und inwiefern ist SONO eine Innovation oder sogar „Revolution“ für die Automobilbranche?

SONO Motors baut nicht nur ein Elektrofahrzeug, sondern legt sehr großen Wert darauf, Mobilität in den Vordergrund zu stellen. Da steckt viel mehr dahinter – Mobilität kann das Fahren mit dem Fahrrad, mit dem E-Bike, E-Scooter oder Fahren in der Bahn sein. All diese Themen hat SONO Motors auf dem Schirm und das Fahrzeug – der SION – hat eine Sharing-Funktion von Anfang an mit integriert (Ride Sharing, Power Sharing, Car Sharing). Damit kann das Fahrzeug eine andere Art von Mobilität in Gang bringen.“

Im Buch beschreibst du sehr detailliert, wie du dir die Zukunft der Automobilität oder vielmehr der Mobilität vorstellst. Stell doch bitte kurz deine Vision für die Zukunft und das Konzept des „Autros“ vor.  

„Es geht nicht mehr darum, ein Auto zu besitzen, sondern es geht darum, von A nach B zu kommen. So wie es beim SION auch sein wird. Es gibt nicht mehr das individuelle Fahrzeug, das hergestellt wird, sondern es wird individuell durch das, was man auf dem Bildschirm aufspielt. Dass man mit seinem Smartphone einsteigt und dann seine Musik hören kann, seine Videos sehen und seine Playlist direkt dabei hat. All das wird die Individualität ausmachen, aber eben nicht mehr das Auto selbst. Man kommt von A nach B indem man einfach sagt, wann man losfahren möchte, wohin man fahren möchte, ob man alleine oder mit mehreren Personen unterwegs ist, ob man noch Anhalter mitnehmen möchte oder selbst mitgenommen werden möchte, das ist eigentlich die Zukunft. 

Das wird durch die Bezahlung durch Daten möglich sein, so, wie es oft heute im Internet möglich ist, kostenlos zu surfen. Ähnlich wird es möglich sein, kostenlos von A nach B zu fahren.  Das wird deshalb möglich sein, weil ein Fahrzeug, das Millionen Kilometer fahren kann, dabei sehr günstig hergestellt und mit Solar- und Windstrom geladen wird,  auf den Kilometer gerechnet sehr kostengünstig ist.“

Matthias, vielen Dank für das Interview und deinen Einsatz! 

Webseite WIWIN: https://www.wiwin.de

Matthias Willenbacher bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/matthias-willenbacher-86017198/

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