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Wiesbadener Architek-Tour mit Paul-Martin Lied von „Frankfurts Führende Architekten“

Das Kurhaus in Wiesbaden zur Blauen Stunde
Das prachtvolle Kurhaus Wiesbadens zur „blauen Stunde“. Wir waren unterwegs in der Landeshauptstadt
mit Paul-Martin Lied von „Frankfurts Führende Architekten“ – eine ArchitekTOUR der besonderen Art.

Über den Gastautor: Paul-Martin Lied

Bereits seit 1995 leitet Paul-Martin Lied Architekturführungen und Exkursionen.

Nach seinem Studium der Architektur in Darmstadt und der Arbeit als Architekt, unter anderem in den Niederlanden, leitet er mit „Frankfurts Führende Architekten“ eine Agentur, die die Architektur der Metropolregion FrankfurtRheinMain auf eindrucksvollen Wegen erlebbar macht.

Historismus und moderne Architektur – ein abwechslungsreicher Rundgang auf den Spuren der High Society in Wiesbaden

Die Tour beginnt am berühmten Wiesbadener Kurhaus, das noch einen Hauch der Belle Epoque ausstrahlt. Von außen schlicht klassizistisch gehalten, zeigt sich in den Sälen die volle Pracht des Historismus. Beinah harmonischer noch ist die vielfach vergoldete, überwältigende neobarocke Gestaltung des Foyers im benachbarten Staatstheater. Auch hier lässt sich an der Eingangsseite nicht erahnen, was einen erwartet, denn der Zugang befindet sich vergleichsweise unscheinbar in den Kolonaden, die den Bowling Green umgeben. Dieser Begriff klingt spannender, als das profane Wort ‚Rasen‘, für das er steht. Der Name zeugt vom internationalen Flair Wiesbadens zu Anfang des 20. Jh. Unter besagter Grünfläche, nicht zu vergessen der besonders nachts beeindruckende Brunnen, befindet sich seit einigen Jahren eine große Tiefgarage, von der nur die kleinen gläsernen Eingangspavillons zeugen. Wenn die flankierenden Bäume die Größe ihrer Vorgänger wieder erreicht haben, wird der einstmalige Protest gegen die Tiefgarage vergessen sein. 

Blick auf das Wiesbadener Kurhaus

Entlang der Prachtstraße Wilhelmsstraße gelangen wir zum Kureck. An Stelle eines nicht geliebten Hochhauses aus den sechziger Jahren, entsteht hier unter Leitung des Schweizer Berliner Architekten Max Dudler ein neues Quartier, nun mit einem zentralen Wohnhochhaus, daneben Bürogebäuden, Läden und Restaurants, die in Zukunft dafür sorgen werden, dass es auch hier interessant sein wird, um hier entlang zu flanieren.

Der Kranzplatz in Wiesbaden

Historisch dekorierte Fassaden und schmale Gässchen der Altstadt Wiesbadens

Ein paar Schritte weiter erreichen wir den Kranzplatz. Hier ist das Quellengebiet, wo sich einst Badehäuser befanden, die im 19. Jahrhundert zu eleganten Hotels weiterentwickelt wurden. An Stelle von vielleicht unschuldigen Badefreuden im warmen Wasser, gab es hier Ende des 19 Jh. ein Stelldichein der deutschen Oberklasse. Wiesbaden hatte um 1900 die höchste Millionärsdichte in Deutschland. Der Kaiser weilte hier im Sommer. Von dieser Zeit zeugt noch die prächtige Fassade des Nobelhotels Rose, das nun zum repräsentativen Sitz der Hessischen Staatskanzlei wurde. Schaut man auf die historistisch dekorierte Fassade des gegenüberliegenden ehemaligen Palasthotels, dann kann man sich die kräftige Stimme Enrico Carusos vorstellen, die hier einst aus einem Fenster erschallte. Direkt davor liegt der Kochbrunnen, der die Möglichkeit einer Kostprobe des Wiesbadener Heilwassers bietet.  
Entlang einiger Neubauten der Fünfziger Jahre, die wenige Bombenlücken in Wiesbaden füllten, erreicht man die schmalen Gässchen der Altstadt. Die Goldgasse mit Gastronomie und kleineren Läden erinnert an das ehemalige Goldschmiedehandwerk an dieser Stelle. Ein baumbestandener Platz lädt dann zur Einkehr, und bei Speis und Trank kann sich der Bürger seinen parlamentarischen Vertretern nahe fühlen, da der Platz durch den gelungenen Neubau des Hessischen Landtags begrenzt wird.

Das Neue Rathaus in Wiesbaden

Das Wiesbadener Rathaus mag man als Übung des Architekten Dr. Georg Ritter von Hauberisser betrachten, der später durch das Münchner Rathaus berühmt wurde.

Durch weitere kleine Gässchen gelangen wir auf den Vorplatz des Schlosses, in das 1948 das Hessische Parlament einzog. Auch als politische Aussage erbaute im 19. Jahrhundert der Nassauer Herzog sein Schloss direkt zwischen Bürgerhäusern. Gegenüber stehen die Marktkirche und das Rathaus. Durch viele Türme sollte die Kirche den Ausdruck eines Nassauischen Landesdoms bekommen. Das Wiesbadener Rathaus mag man als Übung des Architekten Dr. Georg Ritter von Hauberisser betrachten, der später durch das Münchner Rathaus berühmt wurde. Der etwas unregelmäßige Platz, hier lässt sich über die Stadtentwicklung sprechen, wurde an einer Stelle durch das moderne Restaurant Lumen geordnet. Zu seinen Füßen liegen die Marktgewölbe, in die das Wiesbadener Stadtmuseum einzog. An der Südseite des davor liegenden großen Platzes fällt ein gerastertes Fünfziger Jahre Bürohaus, durch seine markante Dachwelle auf. Der Anblick erspart den Weg zum in Wiesbadener angesiedelten Bundeskriminalamt, da dies vom gleichen Architekten entworfen, sehr ähnlich aussieht. 
Eine Fahrt mit der Nerobergbahn, einer historischen Standseilbahn, sollte man während der Saison nicht verpassen. Auf der Anhöhe bietet sich ein wunderbarer Blick über Wiesbaden und einen kleinen Weinberg. Es besteht die Möglichkeit zur russischen Kapelle zu laufen, die im 19. Jahrhundert zu Ehren einer verstorbenen, aus Russland stammenden Herzogin, auf importierter russischer Erde errichtet wurde. Auf dem Weg dorthin sieht man schon das Opelbad, das noch 1934, also in der Zeit des Nationalsozialismus, schnörkellos im Stil der Bauhaus Architektur errichtet wurde. Dies mag am Stifter Wilhelm von Opel gelegen haben. Heute ist das Bad populärer Treffpunkt und die Terrasse des angrenzenden Restaurants ein schöner Ort für einen Drink, Imbiss oder ein Essen.

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