Ein Leben mit der Sonne im DrehHaus aus Mittelhessen

Mehr Licht und Lebensqualität im Drehhaus

Drehende Häuser – davon gibt es in Mittelhessen gleich mehrere. Weshalb nicht nur der Einsatz von Holz dem Ganzen nachhaltigen Charakter verleiht und wie sich diese Bauweise auf die Lebensqualität auswirken erfahren Sie im neuen Beitrag.

Petra und Christopher Rinn

“Wir sind Petra und Christopher Rinn und haben mit unseren DrehHäusern eine neue Generation des Wohnens und Lebens geschaffen.
Diese sind als Holzrahmenbau nachhaltig gebaut und erzeugen mehr Energie als sie selbst verbrauchen.
Durch das Drehen des gesamten Hauses wird immer die optimale Belichtung aller Räume erreicht.  Das kann man nicht beschreiben, man muss es erleben.
Wer einmal in einem solchen Haus gewohnt hat möchte es nicht mehr missen.”

zum Kurzinterview “good faces”

Ein Familienunternehmen aus Mittelhessen baut drehende Häuser

Relativ unscheinbar steht Drehhaus Nummer 1 in Heuchelheim, etwas versteckt hinter einigen Hecken, Bäumen und Sträuchern. Wirklich auffällig wird es erst, wenn beim Betrachten plötzlich die Drehbewegung einsetzt. Oder, wenn man das Haus im Tagesverlauf von gleicher Position, aber doch aus einem anderen Blickwinkel wahrnimmt.

Wer und welche Gedanken stecken hinter dieser genialen Erfindung?
Die Firma Rinn ist ein kleiner Familienbetrieb aus dem mittelhessischen Heuchelheim. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1899 und wird inzwischen in 4. Generation von Petra und Christopher Rinn mit 25 Mitarbeitern geführt.
Er ist Diplom Ingenieur, sie Zimmermeister – im Herzen sind sie beide „Zimmerleute“.
Auch die beiden Kinder, Sohn Lorenz und Tochter Lisa, arbeiten inzwischen im Betrieb mit. Lorenz steckt in der Ausbildung zum Zimmerer, Lisa absolviert ihr Architektur-Studium und ist in die Arbeit im Familienbetrieb eingespannt.

Von der klassischen Zimmerei hin zum Entwickler des DrehHauses

Die Haupttätigkeiten des Unternehmens liegen in der klassischen Zimmerei:
Holzhaus-Bau, Dach-Bau, Carports und andere Holzarbeiten zählen zum Tagesgeschäft. Doch manches ist eben etwas anders als die Arbeit eines klassischen Handwerksbetriebs. „Wir machen das, was andere nicht in Holz machen“, beschreibt es Christopher Rinn.
So etwa auch die Drehhäuser, die schon oft neugierige Blicke und Besucher angezogen haben.

Der Auszug der Großeltern-Generation aus dem damals gemeinsam bewohnten privaten Wohnhaus war Anstoß zum Neubau des ersten Drehhauses, in das die Großeltern einziehen wollten.

Lange Zeit wurde gemeinsam getüftelt und geplant – und dann „einfach gemacht“. Im Jahr 1997 stand schließlich das erste Drehhaus.

Beim ersten und zweiten Drehhaus, beide stehen in Heuchelheim, steckte die Technik noch etwas in den Kinderschuhen. Doch nach wie vor verrichtet sie ohne Probleme ihre Dienste.

Drehhaus Nummer 1 (Fotos: www.thegoodplace.digital)

Drehhaus Nummer 2 (Foto: www.thegoodplace.digital)

Das Drehhaus Nummer 3 wurde 2014 in Coburg gebaut, das “Haus Friedenstab”.
Auch hier ist der Antrieb schon Frequenz-gesteuert und man merkt nichts.

Das vierte Drehhaus schließlich steht ebenfalls wieder in Heuchelheim.
Hier ist die Technik zur Drehung schon so weit verfeinert, dass das Anlaufen nahezu unbemerkt geschieht. Das gesamte Objekt, geplant von einem Wetzlarer Architekten-Team, folgt einem schlüssigen Gesamtkonzept mit offener Raumgestaltung und moderner Optik.

Der Aspekt der Nachhaltigkeit im Drehhaus – Einsatz von Solaranlagen und Holz

Schon in den 70er Jahren kamen in der Ölkrise im Unternehmen erste Gedanken auf, Energie zu sparen. Ein runder Querschnitt des Hauses mit wenig Mantelfläche und viel Volumen liegt da nahe. Energetisch noch besser wäre höchstens eine Kugel, aber durch den großen Anteil nicht nutzbarer Fläche ist das nicht praktikabel.

Nachhaltigkeit beim Bauen ist heute mehr denn je Thema. Als Familienbetrieb den Blick auf die nachkommenden Generationen zu haben erscheint da nur selbstverständlich.

So kommen bei den Drehhäusern natürlich auch Solaranlagen zum Einsatz, worüber Strom erzeugt wird. Die Besonderheit: die Solartechnik kann die Sonnenstrahlung im Tagesverlauf durch Ausrichtung des Drehhauses orientiert an der Sonne optimal ausnutzen.

Mit dem überschüssigen Strom wird das Elektroauto geladen

Die so erzeugten 10.000 kWh pro Jahr werden ins Netz eingespeist – der tatsächliche Verbrauch mit 7.000 kWh im Jahr ist jedoch deutlich geringer. Der Überschuss landet im Akku des Elektroautos. Der Tesla dient sozusagen als Stromspeicher für die überschüssige erzeugte Energie.

Das Ehepaar Petra und Christopher Rinn hat Haus Nummer 4 für den eigenen Bedarf gebaut. Man ist überzeugt von der eigenen Entwicklung. Als die Kinder alt genug waren, haben die Beiden sich den Traum vom eigenen Drehhaus mit 150qm Wohnfläche erfüllt.

Die Verwendung von Holz ist überall präsent, so auch bei der einzigartigen Fassade.
Zum Einsatz kommt beim Bauen mit Holz in der Regel zu 95% Fichte, gelegentlich aber auch Tanne, Douglasie und Eiche.
Buche kann als Ersatz für Stahlträger dienen, darf aber auf keinen Fall nass werden.
Für die Außenverkleidung von „Kylie“ wurde beispielsweise Douglasie verwendet.

Regionalität und Naturverbundenheit

Über einen Brunnen wird Erdwärme gezogen, Fußboden- und auch Deckenheizung wurden eingebaut. Dank Wärmetauscher und Umwälzpumpe gibt es im Sommer Kühle ohne Klimaanlage.

Zum Aspekt der Nachhaltigkeit zählt natürlich ebenso die Zusammenarbeit mit regionalen Partnerunternehmen, man vertraut auf lokale Handwerker aus dem Umkreis von rund 50 Kilometern.

Dass bewusstes Handeln und Naturverbundenheit gelebt werden, zeigt sich bei Haus Nummer 4 in einem ungeplanten Detail. Hier hat sich schon früh ein „Haus-Eichhörnchen“ eingenistet – genau am Fenster des Badezimmers, wo es sich ein kleines Nest erbaut hat. Geschützt vor Katzen und anderen Tieren, die nicht die Wände des Hauses erklimmen können.

Detail: Das Nest eines Eichhörnchens zwischen den Lamellen des Fensters (Foto: www.thegoodplace.digital)

DrehHaus Nummer 4: Kylie – der 200 Tonnen schwere Bumerang

„Kylie“, das Wort steht für den Bumerang, das Wurfholz der Aborigines.
Von oben betrachtet hat das Haus optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bumerang.

Besonders auffällig ist der „Rüssel“, ein Anbau, der aus dem kreisförmigen Querschnitt des Baus herausragt und über dem Pool schwebt, wodurch sich dort eine sinnvolle Überdachung für die Terrasse ergibt.

Beeindruckend ist beim Hauskonzept auch die Linienführung – das Objekt kann man mit wenigen Strichen skizzieren oder zeichnen.

Schwebende Elemente ziehen sich als roter Faden durch den Bau

Treppenstufen, Schränke, ein Arbeitstisch oder das Bett im Schlafzimmer – oft braucht es einen zweiten Blick, um zu erkennen, wo die Befestigungen versteckt sind, welche die Illusion des Schwebens erzeugen.

Möbel, wie die Küche und Regale, sind Sonderanfertigung – bei runden Außenwänden ist das nur logisch, denn herkömmliche Schränke und Regale würden unnötigen Raumverlust bedeuten.

Dem Charakter des Hauses entsprechend ist natürlich die freistehende Kücheninsel ebenfalls rund und drehbar – so ist die Herdplatte optimal auszurichten. Ein Blickwechsel beim Kochen entweder in Richtung Fernseher, zu den Gästen am Tisch oder einfach hinaus in den Garten ist so mit einer einfachen Handbewegung möglich.

Mit Blick auf das Gewicht des Hauses – satte 200 Tonnen – scheint es unglaublich, sich vorzustellen, dass man das komplette Haus mit bloßer Muskelkraft antreiben kann. Sinnvoll, falls die Elektronik oder Mechanik mal ausfallen sollte, was aber noch nie vorkam. Möglich ist das mit Hilfe einer simplen, aber klug durchdachten Hebel-Konstruktion mit dem Namen „Eselknochen“.

„Stört das Drehen denn nicht im Alltag?“ Diese Frage hört das Ehepaar vermutlich häufiger. Doch kein Ruckeln oder „eiern“ ist zu spüren und auch das Geräusch nimmt man im Haus nicht wahr.

Der “Rüssel” mit Sitzgelegenheit und Panoramafenster (Foto: www.thegoodplace.digital)

Der “Eselknochen” mit dessen Hilfe das Haus von Hand gedreht werden kann (Foto: www.thegoodplace.digital)

Herausforderungen beim Bau eines optisch ansprechenden DrehHauses

Natürlich bringt bereits die Planung eines optisch ansprechenden Drehhauses auch gewisse Herausforderungen und Schwierigkeiten mit sich.

Da der „Kern“ ein sich drehender Zylinder mit rundem Querschnitt ist, ergeben sich einige Besonderheiten.

Die Lichtplanung im Innenraum wurde vorab umfangreich im 3D Modell geplant und simuliert.

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Außerdem soll das Drehhaus sich schließlich von jeder Seite aus betrachtet harmonisch ins Umfeld einfügen.

Nicht nur in der Planung, auch beim Bau bringt das Drehhaus die ein oder andere Herausforderung. Denn das Baugerüst muss beispielsweise ebenfalls drehbar sein.

Das größte Plus: mehr Lebensqualität dank Tageslicht im Drehhaus

Dass Licht und Tageslicht einen enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat ist kein Geheimnis (Interview zum Thema Licht mit Christoph Adlfinger-Pullmann).
Für alle Bewohner der Drehhäuser ist das ein entscheidender Aspekt – ein ganz anderes Lebensgefühl und ein Plus an Lebensqualität.

Die Sonne am Morgen, mittags und abends – immer da, wo und wann man sie braucht.

In weiser Voraussicht hat das Ehepaar Rinn schon den Schacht für den Fahrstuhl vorgesehen und das eigene Haus barrierefrei geplant. Einem Leben bis ins hohe (Renten-)Alter steht dort also nichts im Weg.

Es fällt allgemein schwer, sich auf einen einzelnen Lieblingsplatz im Haus festzulegen, schließlich gibt es davon gleich mehrere.

Die Umgebung und Natur als Kunstwerk

Konzentriert man sich am Fenster stehend auf einen Baum im Garten, ist das erstmal ungewöhnlich, denn man merkt so sehr deutlich, dass man in Bewegung ist.
Mit einiger Distanz zum Panoramafenster und einem weiteren Blickwinkel gleitet die Umgebung langsam, geradezu hypnotisierend, an dem Betrachter vorbei.

Statt Wandbildern wird so die Natur zum Kunstwerk, das die Räume „schmückt“ und sich im Tagesverlauf und mit den Jahreszeiten wandelt.

Im zuvor schon erwähnten „Rüssel“, dem kleinen Vorsprung, lädt eine helle Sitzecke mit großem Fenster und Sesseln zum Lesen und Verweilen ein. Wobei man sich selbst vermutlich häufiger eher beim Verweilen und Genießen als beim Lesen erwischen dürfte.
Frau Rinn gibt zu: „Eigentlich wollte ich mich schon öfter mit einem Buch dort hinsetzen. Statt zu lesen, vergisst man dann doch plötzlich völlig die Zeit und genießt den Ausblick in die Bäume und ins Grüne.“

Blick auf die “schwebende” Überdachung des Carports, den Steingarten (links) und Details der Holzfassade an DrehHaus Nummer 4 (Fotos: www.thegoodplace.digital)

Ein Spiel aus Materialien, Licht und Schatten dank der Drehung des Haues

Abhängig von der Position des Haues und der Tageszeit fallen Licht und Schatten natürlich unterschiedlich aus und erzeugen immer eine etwas veränderte Raumwirkung.
Wenn noch ein Pool dazu kommt, wie bei Drehhaus Nummer 4, entstehen faszinierende, wechselnde Lichtspiele.

An der Decke des Vorbaus und im Wohnbereich spiegelt sich im richtigen Licht das Wasser des Pools. Man verfällt ein wenig in einen meditativen Zustand, wenn man für einige Minuten auf dem Sofa liegt und an die Decke schaut – man muss schon fast aufpassen, dass man nicht einschläft. Für den „Power-Nap“ am Nachmittag auf jeden Fall eine gute Gelegenheit.

Das Haus hat außerdem eine Sauna mit Blick nach draußen, für die man zur Nutzung das komplette Haus von neugierigen Blicken wegdrehen kann.
Natürlich gibt es für mehr Privatsphäre die Möglichkeit, Jalousien hochzufahren. Ja, die Jalousien werden „hoch-“ und nicht „runtergefahren“, der Sichtschutz fährt von unten über die Fenster, sodass darüber der Blick in die Natur und in den abendlichen Himmel oder nachts in den Sternenhimmel freibleiben.

Wenn Wind, Wetter oder Nachbarn stören wird das Drehhaus einfach „weggedreht“

Allgemein hat mit Blick auf Privatsphäre das Drehhaus einen großen Vorteil.
Neben einer automatischen zeitlichen Dreh-Einstellung, abhängig vom Tagesverlauf, kann auch manuell vor- und zurückgedreht werden.
Das kann praktisch sein – das Grillen mit Freunden kann zum Beispiel trotz aufziehendem Wind weitergehen, indem die Terrasse einfach in den windgeschützten Bereich gedreht wird.

Auch der Schutz vor neugierigen Blicken aus der Nachbarschaft ist mit einer (halben) Hausdrehung kein Problem mehr.

Das Haus ist in der Mitte zentral gelagert, somit spürt man natürlich auch mehr als in einem „normalen“ Haus den Einfluss von Winden.
Die starken Windböen im März 2022 haben beispielsweise spürbare Bewegung verursacht. „Abenteuerlich“ nennt Herr Rinn das, seiner Frau Rinn war es schon ein bisschen mulmig zumute. Schuld ist aber einfach das noch ungewohnte Gefühl, wenn man zuvor nie in einem solchen Haus gewohnt, geschweige denn die Einflüsse der Natur in dieser Form gespürt hat. Passieren kann dabei aber nichts, da das Haus mit Rollen gegen Umfallen gesichert ist. Vorstellen kann man sich das in etwa wie die Stützräder beim Kinderfahrrad.

Diese Technologie für die Drehbewegung beschränkt aber natürlich gleichzeitig die maximale Bauhöhe für ein Drehhaus. Ein-, zwei- und dreigeschossige DrehHäuser hat das Unternehmen bereits gebaut, der Auftrag für ein viergeschossiges DrehHaus liegt vor und die Ausführungsplanung ist fast abgeschlossen. Technisch könnte es durchaus noch weiter nach oben gehen, wenn dann aber Mietparteien einen Streit darüber beginnen, wer zu welcher Tageszeit wo die Sonne bekommt, beginnen die Probleme.

Drehung DrehHaus (Quelle: www.thegoodplace.digital)

Das DrehHaus als Haus für den Rest des Lebens

Auch, wenn das Konzept Mehrparteien-Haus mit Mietwohnung vielleicht unrealistisch ist, so ist das Ganze als Ferienhaus Konzept doch sicherlich attraktives Ausflugsziel.
Ein Drehhaus ist kein Massenprodukt. Der typische Drehhaus-Kunde sucht vielmehr ein Haus für den Rest des Lebens.

Das Ganze hat auch seinen Preis – alleine 100.000€ Mehrkosten entstehen durch die Drehkonstruktion.
Auch die Bauzeit ist für den ein oder anderen eine Hemmschwelle – das passende Grundstück muss gefunden werden, Bauanträge und Genehmigungen geregelt, das Haus geplant werden. Ein bis zwei Jahre, vielleicht aber auch deutlich länger, sind da nicht unwahrscheinlich.

Ein Interessent hat es treffend beschrieben – im Rentenalter kann man monatelang verreisen, den Zweit- oder Drittwagen kaufen, „oder ich gönne mir für den Rest meines Lebens die optimale Belichtung meines Zuhauses.“

Das Haus als ein Ort, den man mit Freude „sein Zuhause“ nennt. Der Ort, an dem man es einfach jeden Tag schön haben kann.

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