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Sportlich unterwegs mit Elektromobilität – 24h ECO Grand Prix in Oschersleben mit dem Tesla Model 3

Jürgen aus Rödermark hat sich mit seinem Model 3 in das Abenteuer 24-Stunden-ECO-Rennen in Oschersleben gestürzt. Wir haben ihn getroffen, um zu erfahren, ob sportliches Fahren auf der Rennstrecke und Elektromobilität zusammenpassen.

Was ist der 24h ECO Grand Prix von Oschersleben?

In der Motorsport Arena in Oschersleben bringt das Veranstaltungsformat ECO Grand Prix bei einem 24-Stunden-Rennen ausschließlich E-Modelle auf die Rennstrecke.Zuletzt fand das Event am 29. bis 30.11.2019 statt. Weitere Infos gibt es hier:

 https://ecograndprix.com/de/die-24-stunden-von-deutschland-2019 

Mit Tesla und Co. auf der Rennstrecke – Fahrspaß oder komplizierte Lachnummer?

2018 saß ich selber zum ersten Mal in einem Elektroauto – und dann gleich in einem Model S P85D mit 700 PS. WOW! Das sportlichste Fahrzeug, das ich vorher bei einem Freund fahren durfte war ein Mercedes A45 AMG mit 381 PS. Das „Herz in der Hose“ Gefühl beim Beschleunigen und in den Kurven auf Landstraßen war unbeschreiblich. „Turbo läuft, Turbo säuft“ hieß es da immer – mit dem Fahrspaß sinkt natürlich der noch verfügbare Kilometerstand.
Das ist beim Elektroauto natürlich nicht anders. Elektrofahrzeuge kämpfen ohnehin gegen das Vorurteil an, dass man ständig gedanklich schon die nächste Ladesäule anvisieren muss.Was ist dran an möglichen Vorurteilen? Wie trackt man bei einem Rennen verfügbare Rest-Ladung und nächstmögliche Lade-Stopps?Ich habe meinen Bekannten Jürgen, der selber schon seit Jahren im Tesla unterwegs ist, dazu befragt.

Jürgen, wie bist du dazu gekommen, beim 24 Stunden Rennen ECO Grand Prix in Oschersleben mitzufahren?

„Mein guter Bekannter Afrim Berati vom BERATI Autohaus in Ludwigshafen (BERATI bei Facebook) hatte mich gefragt, ob ich bei ihm im Team mitfahren möchte.Wir kennen uns seit 2018, bei ihm hatte ich mein Model S 85D mit 207.000km auf dem Tacho als Gebrauchtwagen gekauft.Neben ihm würden sein Sohn und Christiane mitfahren – sie ist übrigens Testfahrerin bei Tesla für den Autopiloten.
Jetzt stellte sich die Frage, mit welchem Wagen es auf die Rennstrercke gehen sollte.Mit meinem Vorschlag, mein Model 3 mit Long Range und Dual Drive (Allrad) zu nehmen, waren alle einverstanden – es gab nur das Problem, dass ich noch die goldenen 19 Zoll Felgen mit Sommerreifen auf dem Wagen montiert hatte. Nach kurzem Stöbern hatte ich in Bonn neue 18 Zoll Standard-Felgen mit den Aero-Radkappen gefunden und abgeholt.
Ein paar Tage vor Oschersleben hat Afrim dann den Wagen zum Räderwechsel und Bekleben abgeholt. Für die Zeit hat er mir seinen Porsche Macan geliehen – so viele Knöpfe mit jeweils nur einer Funktion, das ist man als Tesla-Fahrer gar nicht mehr gewohnt. 
Am Freitag nach Feierabend haben wir uns dann in Frankfurt Fechenheim getroffen, noch ein paar Dinge umgepackt und sind dann losgefahren nach Oschersleben. Kurz nach 22 Uhr waren wir da, haben noch kurz die Box gecheckt, einen Drink an der Hotelbar genommen und dann ging es ab ins Bett.“

Wie muss man sich ein solches Rennen mit Elektrofahrzeugen vorstellen und wie ist das mit Lademöglichkeiten gelöst?

„Jeweils eine Box mit 22kW Anschluss (rote CEE Steckdose) teilen sich zwei Teams. Wir brauchten einen „Wandler“ von Wechselstrom auf Gleichstrom – zum Glück gab es auf Sylt jemanden, der so etwas vermietet. Problem war aber der rechtzeitige Transport von Sylt nach Oschersleben, bedingt durch die Zugfahrt nach Sylt. Das wurde schon sehr knapp, hat aber zum Glück alles geklappt und das Ladegerät war rechtzeitig da. Bis 11kW lädt das Model 3 an Wechselstrom – an Gleichstrom bis 180kW. Wir wären also ohne dieses Ladegerät (Kostenpunkt übrigens ca. 5.000€/Stk.) im Nachteil gewesen.
Fürs Rennen hatten wir einen groben Plan, wer wie lange und zu welcher Zeit fährt. Gleichzeitig war uns bewusst, dass wir spontan agieren und reagieren müssen.Es war recht eisig und dazu windig in Oschersleben. Die Temepraturen lagen zwischen 0 und 5 Grad.Verschiedene Unklarheiten wie z.B. wer wann und wie vor dem Start laden kann und darf steigerten schon vor Rennbeginn die Spannung.
Um 16 Uhr ging es dann offiziell los. Und wurde sehr schnell dunkel. Mit unseren Box-Partnern aus Tschechien musste wir uns auf gebrochenem Englisch abstimmen, wann sie laden würden und wann wir. Jeder Fahrer durfte maximal 4 Stunden am Stück fahren – und musste dann mindestens genau so lange pausieren.Die ersten 3,5 Stunden fuhr Afrim – und lieferte super Rundenzeiten, die uns unter die ersten drei Plätze der Model 3 brachten.Irgendwann am Morgen um 3 Uhr durfte ich dann auch fahren. 
3 Tage vor Rennbeginn wurde die neuste Model 3 CCS Lade Software eingespielt. Der 22kW Stromwandler und die interne Software hatten nicht mit der neuesten Software zusammengepasst und zu Lade-Abbrüchen geführt. Das hat wiederum dazu geführt, dass ich nicht mit voll, bzw. optimalerweise zu 80% geladenem Akku starten konnte. 
Aber das Erlebnis auf der Strecke war sehr spaßig. Erst einmal seine Routine und die Ideallinien zu finden, maximal bis 80km/h auf der Geraden beschleunigen, in die Neutral-Gang-Stellung schalten und dann rollen lassen, den Windschatten anderer Fahrer nutzen und dann etwas langsamere Fahrzeuge zu überholen, klasse!Dabei waren z.B. zwei neue eCorsa mit Opel Werksfahrern, Renault ZOEs und andere.
Gegen 5 Uhr wurde das Ladefenster in der Box frei und ich konnte in die Boxengasse fahren.Die anderen beiden waren am Schlafen, also bin ich zum Frühstück und nach 2 Stunden Ladepause wieder zurück auf die Strecke. Der Sonnenaufgang war wundervoll, mega!“

Du hast vorhin schon die niedrigen Temperaturen erwähnt, dazu die Dauerbelastung des Fahrzeugs – Wie ist das Gefühl auf der Rennstrecke im Model 3 von Tesla und wie koordiniert man notwendige Ladestopps und Fahrerwechsel? 

„Zum Wetter: die Strecke war neben der Ideal-Linie vereist – was man gemerkt hatte, wenn man auf der langen Kurve überholen wollte – aber der Allrad Antrieb war dabei einfach genial. Man versucht, zu optimieren beim Beschleunigen, entsprechend nur noch hoch auf 75km/h. Dabei – sowieso – trotz der Temperaturen die Heizung ausgeschaltet und nur die Sitzheizung an und Musik. Während man sich auf die Strecke konzentriert muss man natürlich trotzdem mit dem Teampartner in der Boxengasse telefonieren und den Durchschnitts kW Verbrauch durchgeben, wie lange man noch fährt, wann man in die Box kommt, um den Akku nicht leer zu fahren, damit er schneller lädt. 
Dann war irgendwann wieder Afrim als letzter Fahrer dran. Wir hatten die letzten Runden und Akkulaufzeit kalkuliert, mit der Tesla App konnte man den Akku Zustand verfolgen.Durch die Ladeabbrüche waren wir ins Mittelfeld gerutscht, damit hatten in der Nacht auch andere zu kämpfen und wir haben uns irgendwie alle gegenseitig geholfen.Unter anderem gab es auch einen Live-Stream mit YouTube Übertragung, über den die Tesla Community hilfreiche Tipps sendete. Richtig genial!
Wir lagen nach der Ziel-Linie bei 1% Rest-Reichweite, ich glaube, es waren noch rund 10km möglich…“

Aber zu dem Zeitpunkt war das Wesentliche ja überstanden…

„Das Rennen war vorbei, wir mussten die Runde aber noch zu Ende fahren, um in die Boxengasse zurück zu kommen. Afrim ist dann IN der Zufahrt der Boxengasse stehen geblieben – der Akku war leer, beziehungsweise hat der Tesla selber heruntergefahren, um sich zu schonen. Obwohl noch minimal Rest-Reichweite vorhanden war. Also schnell den Wagen in den Abschleppmodus gesetzt und in die Gasse gezogen – natürlich mit entsprechendem Aufsehen!
Was echt ärgerlich war: Der Abschlepper hat den Wagen direkt vor der ersten Box abgestellt. Genau einen Meter vor der Kabellänge, um ihn aufladen dort zu können.Unsere Box wäre 10 Meter weiter gewesen. Durch Verlängerungen konnten wir dann zumindest doch noch laden und den Wagen wieder „aufwecken“.Das alles durch das nicht optimale software-seitige zusammenspiel der 22kW Ladegeräte mit der Tesla Software zum CCS Laden.
Also es war soweit echt spannend und aufregend – und vor allem eine tolle und spassige Erfahrung im Team und mit den anderen Fahrern.“

Way back home – wie fühlt man sich nach einem solchen Erlebnis mit dem Tesla auf der Rennstrecke?

„Den Heimweg haben wir gegen 19 Uhr angetreten – zwischendurch dann natürlich am Supercharger nachgeladen und eine Kleinigkeit gegessen. Da ich müde war, hatte ich den Fittesten im Team fahren lassen – was unsere Testfahrerin war!

Ich hatte noch gesagt, wenn wir in Frankfurt mit 50km Rest-Reichweite im Akku ankommen, reicht mir das, um noch die 35km nach Hause zu fahren – was sie wohl leider so nicht verstanden hatte. in Frankfurt jedenfalls bin ich dann aufgewacht und mit 35km Rest-Reichweite im Akku angekommen – bei 0 Grad … Ihr tat es unheimlich leid das überhört bzw. nicht so verstanden zu haben.
Bevor ich dann von Fechenheim noch nach Neuberg zum Supercharger fahre, dachte ich mir, dann halt nicht über die 661 und A3 nach Hause, sondern durch Offenbach und die B45, was ca. 30km sind – und immer den Akku Stand im Auge – es waren ja mittlerweile -1 Grad… Auf der B45 bei Rollwald wurde der Wagen schon langsamer – dabei bin ich nicht schneller als 80kmh gefahren – konnte dann zum Glück noch die Ausfahrt Rödermark/Eppertshausen raus rollen bevor der Wagen sich komplett herunter gefahren hatte und ich den Abschleppmodus aktiviert hatte – ich wusste ja jetzt von der Boxengasse her wie das geht.
Also stand ich da auf der Strasse mit der Frage „was tun? – und habe noch mal mit den Team Partnern telefoniert. Christiane tat es mittlerweile noch mehr leid! Ich habe dann beim ADAC angerufen und eine halbe Stunde mit offenen Fenstern auf den Abschlepper (Plattform) gewartet. Einige andere Autofahrer hatten mich gefragt, ob sie helfen können – was ich dankend ablehnte.
Der ADAC Mann freute sich jedenfalls darüber, seinen ersten Tesla abschleppen zu dürfen. Die Rest-Reichweite wurde übrigens mit 7km angezeigt bevor der Wagen runter gefahren hatte – normalerweise kann man nach 0 (Null) km noch ca. 15 km fahren!Aber durch den Ladegeräte Stress beim Rennen musste der Akku noch konditioniert werden und kannte seine Grenzen wohl noch nicht. 
Achja – bis nach Hause und zu meiner Wallbox waren es 2km – da hätte der ADAC Abschlepper aber nicht rückwärts rangieren können, also hat er mich zur 200m entfernten öffentlichen ENTEGA Ladesäule am Festplatz gebracht und abgeladen – wo ich 10 Minuten nachgeladen habe. Dann hieß es nur noch heimfahren und ins Bett fallen…“

Also würdest du sagen, Elektrofahrzeuge wie Model 3 haben auch ihren Reiz für sportlich ambitioniertes Fahren auf der Rennstrecke?

„Definitiv, ja. Es ist natürlich anders, als man es von klassischen Motorsport-Events kennt. Alleine der fehlende Motoren-Sound und die längeren Ladestopps statt kurzer Tank-Pausen machen da einen Unterschied. Aber es macht riesig Spaß und wie man gesehen hat – auch 24 Stunden Rennen sind mit Elektrofahrzeugen möglich. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, mal solch ein Rennen im Team auszuprobieren.“

Jürgen, vielen Dank für deinen Einblick ins 24-Stunden-Renn-Erlebnis mit dem Tesla!

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