Zwischen Landluft und Urbanität: Die Renaissance der Mittelstadt

Insbesondere in Social Media zeigen sich in den letzten Monaten immer häufiger Beiträge mit kritischer Betrachtung deutscher Großstädte.

Dabei geht es unter anderem darum, dass dort das Finden einer bezahlbaren Mietwohnung mit Massenbesichtigungen immer mehr zum Problem wird. Kritik zielt gleichzeitig darauf ab, dass viele deutsche Großstädte verschmutzt sind, unsicher und irgendwie wenig lebenswert. 

Alle hassen Großstadt? „Mittelstadt“ statt Metropole oder Speckgürtel als Alternative?

In einem Video betrachtet der YouTuber JONAS die Beiträge verschiedener Social Media Nutzerinnen und Nutzer und zeigt Beispiele aus Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt – alles Großstädte und Metropolregionen. 

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Weitere Informationen

„Warum alle die Großstadt hassen – die unbequeme Wahrheit“ hier bei YouTube ansehen.

Dort berichten Leute davon, wie sie in ganz alltäglichen Situationen (z.B. in der Bahn) bedroht oder angespuckt werden, die Städte im Müll versinken, Drogenabhängige an allen Ecken für ein gewisses Unbehagen sorgen. 

Disclaimer: Dieser Artikel ist kein „Stadt oder Land“ Battle, kein Aufruf zur Diskussion „Eigenes Einfamilienhaus gegen Mietwohnung im Mehrfamilienhaus“ – wobei man mittlerweile den Eindruck hat, dass es immer nur „Extreme“ gibt und eine Diskussion ohnehin nie stattfindet, wenn gegensätzliche Meinungen aufeinandertreffen.

Zwischen Dom, Altstadt, Lahn, Industrie und der Landschaft im Hintergrund: als Mittelstadt bietet Wetzlar mit einer knappen Stunde Distanz zu Frankfurt bezahlbares Wohnen mit Lebensqualität und auch für Investoren attraktive Gelegenheiten | Copyright Foto: A-Tom via istockphoto

„Stadt oder Land“ – genau das ist bereits ein erster Punkt, für den sich der Blick auf Regionen außerhalb der Großstädte und sogar entfernt von deren Speckgürtel lohnt. 
Im Vergleich zu den Metropolen gibt es hier häufig noch günstigere Kauf- und Mietpreise und auch eine eventuell notwendige Sanierung eines Altbaus ist kostengünstiger möglich, einfach, weil zum einen andere Handwerkerpreise im ländlicheren Raum anfallen und weil über Ecken jeder jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt…na, ihr wisst schon. Der Kauf größerer Wohnungen und eigener Häuser mit Garten und Grün vor der Haustür sind hier kein Ziel in weiter Ferne und kein nie erreichbarer Luxus.

Der Garten beim Eigenheim für hohe Lebensqualität

Mit der Familie im eigenen Garten spielen – ein Wunsch vieler Eigenheimbesitzer | Copyright Foto: gorodenkoff via istockphoto

Ein wichtiger Aspekt dabei ist zum Beispiel der eigene Garten, der hohe Lebensqualität für Familien mit Kindern und naturverbundene Menschen bietet.

Das Arbeiten im Homeoffice macht Entfernung zum Firmenstandort weniger relevant.
Falls doch häufigere Präsenz vor Ort erforderlich ist, setzt das natürlich gute Infrastruktur und Anbindungen an den ÖPNV voraus. 
Antizyklisch fahren und die Arbeitszeiten vor Ort effektiv und effizient zu nutzen bringt hier Vorteile für alle Parteien.

Man vermeidet den Pendler-Stau um 8 Uhr morgens, arbeitet stattdessen bis 10 Uhr im Homeoffice, fährt dann Stau- und Frust-frei zum Arbeitgeber, arbeitet in 3-4 Stunden alles vor Ort zu erledigende ab, begibt sich um 14 Uhr auf den Rückweg – hat dann eben noch nicht den Feierabendverkehr und kann bis zum Abend zuhause noch etwas weiter arbeiten.

Verkehr und Pendelstress – diese Dinge reduzieren zu können bedeutet, etwa statt z.B. zweimal 45 Minuten am Tag im Auto und im Staus zu verbringen diese anderthalb Stunden Zeit zu haben für Arbeiten rund ums Haus, Hobbys oder für die Familie. Das macht einen erheblichen Unterschied bei der Lebensqualität.

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Gewachsene Nachbarschaften in mittelgroßen Städten außerhalb der Metropolen

Ein weiteres Pluspunkt für den „Blick nach weiter draußen“ sind die oft attraktiven Altstädte und gewachsenen Nachbarschaften in mittelgroßen Städten

Es gibt zahlreiche mittelgroße Städte im Frankfurter Speckgürtel, die sich teils anfühlen wie reine „Schlafstädte“ – Menschen sieht man unter der Woche kaum, da sie tagsüber auf der Arbeit sind, am Wochenende geht es dann nach Hause, für ein angenehmes alltägliches Leben ist wenig Angebot vorhanden für jene, die ihr Leben dort „Vollzeit“ verbringen. 

Mittelstädte bedeuten nicht automatisch Idylle

Man sollte jedoch nicht das ländliche Leben oder Klein- und Mittelstädte romantisieren.

Jede Stadt hat ihre weniger attraktiven Bereiche – auch die Mittelstädte. 

Bahnhofsviertel, einzelne Straßenzüge oder Wohnquartiere können soziale Herausforderungen haben, wie man sie sonst eher aus größeren Städten kennt. Wer sich für einen Wohnort interessiert, sollte deshalb nicht nur auf die Einwohnerzahl schauen, sondern einzelne Stadtteile vergleichen und sich vor Ort ein Bild machen.

Die zu Beginn erwähnten Probleme wie Drogengeschäfte, Vermüllung ganzer Straßenzüge und Viertel, die man besser meiden sollte, gibt es auch in einer touristisch geprägten Kleinstadt wie Eltville. 

Der Unterschied liegt häufig weniger darin, ob es diese „Problemviertel“ gibt, sondern darin, wie groß sie sind und wie sehr sie das Stadtbild prägen. In vielen Mittelstädten konzentrieren sich solche Themen auf wenige Bereiche, während große Teile der Stadt ein völlig anderes Wohnumfeld bieten. Das Frankfurter Bahnhofsviertel mit den bekannten Problemen als ein Extrembeispiel, wenn solche Problembereiche zu groß werden.

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Kleinstadt, Großstadt, Mittelstadt – was ist besser?

Am Ende muss jeder für sich entscheiden, welche Aspekte eine Klein-, Mittel- oder Großstadt bieten muss, um ein „Zuhause“ werden zu können.

Für den einen ist es die Nähe zum Wald und der Natur – das findet man einerseits im Taunus, durch die Nähe zu Frankfurt dann natürlich verbunden mit höheren Kaufpreisen. 

Diese Naturverbundenheit bietet etwas weiter außerhalb auch die Wetterau, der etwa 40 Minuten von Frankfurt entfernte Rheingau-Taunus-Kreis, der Landkreis Limburg-Weilburg und der Raum Lahn-Dill.

Wer in Großstadtnähe leben möchte, aber eben nicht direkt in der Großstadt oder einer Millionenstadt wie Frankfurt, der findet vielleicht sein Zuhause in einer Stadt wie Bad Schwalbach, 20 Minuten Fahrzeit von Wiesbaden entfernt und doch nah genug beispielsweise am Frankfurter Flughafen. Spielt eine direkte Verbindung zu Frankfurt überhaupt keine Rolle und die Arbeit beim Mittelständler, statt beispielsweise dem Weltkonzern, oder sogar das völlig ortsunabhängige Arbeiten mit gelegentlichen Vor-Ort-Terminen ist möglich, dann können auch weiter von Metropolen entfernte Orte ein schönes Zuhause bieten.

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Der berühmte „Frankfurter Speckgürtel“

Im engeren Sinne zählen meist zu dem berühmten „Speckgürtel“ Städte wie:

  • Eschborn
  • Bad Vilbel
  • Neu-Isenburg
  • Dreieich
  • Oberursel
  • Bad Homburg vor der Höhe
  • Kelkheim
  • Hattersheim am Main

Dort sind die Pendlerströme nach Frankfurt besonders stark, und die Immobilienpreise spiegeln das wider.

Arbeiten in Frankfurt, leben in Pendel-Distanz

Im weiteren Sinne werden oft auch dazugezählt:

  • Friedberg
  • Butzbach
  • Büdingen
  • Aschaffenburg
  • Hanau
  • Rüsselsheim am Main
  • Idstein

TOP 5 Mittelstädte mit Anbindung an Frankfurt

Pendler erreichen den Frankfurter Hauptbahnhof aus Wetzlar in etwas über einer Stunde Fahrtzeit, ab Gießen – wenn es gut läuft – in ca. 45 Minuten | Copyright Foto: Bild von günter auf Pixabay

Darüber hinaus stellen wir euch hier noch unsere Top 5 Mittelstädte mit Anbindung an Frankfurt vor:

Wetzlar – Historisches Flair trifft wirtschaftliche Stabilität

Die Stadt an der Lahn mit ihren rund 55.000 Einwohnern liegt etwa eine Stunde Fahrtzeit von Frankfurt entfernt. Mit einer attraktiven, historischen Altstadt und starken mittelständischen Unternehmen wie Leica und einer Zweigstelle von Studium Plus der THM (Technische Hochschule Mittelhessen) eine der schönsten Städte im Raum Mittelhessen. Durch die Nähe zu Gießen, Universitätsstadt in unmittelbarer Nachbarschaft, ist zusätzlich eine gute Infrastruktur und Angebot gegeben. Hier ist oft (oft, nicht immer!) das Immobilien-Kaufpreisniveau niedriger als rund um Frankfurt oder etwa in Städten wie Friedberg.

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Gießen – Großstadtfunktionen ohne Großstadtpreise

Gießen als Universitätsstadt mit ca. 90.000 Einwohnern hat ein junges Publikum und eine gute Bahnanbindung an den Raum Frankfurt-RheinMain. Viele, die zum Studium in Gießen waren, bleiben der Region gerne verbunden und pendeln z.B. in Richtung Bad Homburg oder arbeiten bei einem der zahlreichen Unternehmen in der von Industrie und Mittelstand geprägten Region.
Gastronomische und kulturelle Angebot schaffen eine lebendige Innenstadt und vergleichsweise lebt man hier günstiger als in Frankfurt, Wiesbaden oder Bad Nauheim.

Zusammen haben die beiden Städte Wetzlar und Gießen deutlich über 100.000 Einwohner und sind damit auch für Investoren / Bestandshalter interessant.

Limburg – In Wiesbaden oder Frankfurt arbeiten, an der Lahn leben

Die Fahrt zwischen Limburg und Wiesbaden über die A3 ist für viele Pendler Alltag. Auch mit der Bahn ist die Strecke in rund einer Stunde bewältigt.
Die Stadt mit ca. 36.000 Einwohnern ist durch die Nähe zur Lahn und eine Altstadt. mit wunderschönem Fachwerk beliebt bei Pendlern. Aber die Stadt bietet auch eigene Qualitäten und unterscheidet sich deutlich von den typischen Städten im „Speckgürtel“ Frankfurts.
Der Unternehmer Reinhard Ernst beispielsweise hat sowohl in Wiesbaden, als auch in Limburg Immobilien-Projekte umgesetzt.

Denkmal-Projekt
Der Walderdorffer Hof in Limburg – ausgezeichnetes Denkmal-Sanierungsprojekt der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung

Marburg – Eine der lebenswertesten Mittelstädte Hessens

Auch im Winter sollte eine Stadt lebenswert und einladend sein – wie etwa Marburg an der Lahn, das eine märchenhafte Stimmung erzeugt | Copyright Foto: Bild von Philip von Geyr auf Pixabay

Die Stadt Marburg ist ebenfalls bei Liebhabern historisch gewachsener Städte mit Fachwerk sehr beliebt. Die Stadt mit ca. 77.000 Einwohnern, ebenfalls gelegen an der schönen Lahn, verspricht hohe Lebensqualität mit ihrer attraktiven Altstadt (die man sogar per Aufzug erreicht).
Beliebt ist die Stadt auch bei Studierenden der Universität – für Pendler in Richtung Frankfurt zwar etwas weiter entfernt, aber für Hybrid-Arbeitende mit gelegentlichen Präsenztagen sinnvoll. Etwas über eine Stunde dauert die Fahrt nach Frankfurt – ähnlich schnell ist man weiter in Nordhessen in Kassel.

Fulda – näher an Frankfurt, als viele denken

Die letzte Mittelstadt in unserem Beitrag haben eher wenige Menschen überhaupt im Blick:
Fulda mit 70.000 Einwohnern hat eine überraschend gute Zugverbindung nach Frankfurt.
Hier finden Kaufinteressenten einerseits günstigere Immobilien als in der Metropole, andererseits „mehr fürs Geld“.

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