Dipl.-Bauingenieurin Claudia Rougoor

Claudia Rougoor | Zangano – Instandhaltung: präventiv & nachhaltig

Der Erhalt historischer Bausubstanz ist ein Aspekt, der zur Arbeit von Claudia Rougoor gehört.
Mit Unterstützung von Drohnen wird die Analyse von sanierungsbedürftigen Gebäuden und eine Aufwands- und Kostenabschätzungen für notwendige Arbeiten ermöglicht.

Profilfoto: Sarah Kastner Fotografie
Die Bilder im Beitrag wurden von Claudia Rougoor (Zangano) bereitgestellt

Historische Gebäude sind etwas ganz Besonderes, für mich eine Art bauhistorisches Lexikon „zum Anfassen“.


Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Dipl.-Bauingenieurin (TU Braunschweig 1996) und Sachverständige für die Markt- und Beleihungswertermittlung von Immobilien.

Mit meinem Unternehmen Zangano habe ich ein Konzept für eine nachhaltige Instandhaltungsanalyse für historische Bauwerke und Gebäude entworfen.
In einem Prozesskreislauf  aus regelmäßiger visueller Inspektion, digitaler Datenanalyse und -weiterverarbeitung sowie Entwicklung KI gestützter Prognose-Modelle kommen u. a. Drohnen zum Einsatz.

Das Konzept wurde 2018 mit dem Erfinderinnenpreis in der Kategorie „Geschäftsmodell und Organisation“ sowie dem CURPAS Startup Preis 2019 ausgezeichnet.

Prävention wird angesichts von Kostenexplosionen bei sinkenden Budgets und zunehmenden Fachkräftemangel immer wichtiger. Das trifft genauso auf Konzeption von Nachfolgenutzungen sowie digitalen Wissenstransfer von Bauexperten und Handwerkern zu.

Ich sehe den Erhalt historischer Bauwerke als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, für die ich mittels (Fach-)Vorträgen, Publikationen und in sozialen Medien Menschen aufwecken und begeistern möchte.

Was sind Ihre Lieblingsprojekte?

Eines ist die Evangelische Kirche Liederbach in meinem Wohnort.
Mich persönlich als evangelisch-lutherisch in Niedersachsen aufgewachsen sprach direkt nach meinem Zuzug die im Innenraum schlicht gestaltete Kirchen sehr an.

Die evangelischen Kirche Liederbach wurde 1833/34 aus Obermainischem Sandstein im klassizistischen Stil mit Einturmfassade erbaut. Letztmalig wurde 2007 das Dach neueingedeckt.

Mittels Übersichtsflügen, ausgeführt als Kreuzflug (ein rechteckiges Flugschemata mit orthogonal verlaufenen Flugbahnen) und Rundflug sollten Dacheindeckung sowie der obere Kirchturmbereich kontrolliert werden. Dabei wurden auch kleinere Auffälligkeiten wie defekte oder fehlende Befestigungen des Blitzableiter Systems oder eine mit Pflanzenbewuchs verstopfte Regenrinne aufgenommen. Auf den ersten Blick Kleinigkeiten, doch sehr hilfreich für die Kirchengemeinde, um gezielt einen Handwerker mit der Beseitigung beauftragen zu können.

Weiterhin erfolgte u.a. die Berechnung eines 3D-Modells für Dokumentationszwecke. Vier Stunden Einsatz vor Ort, rund 90 Minuten Nettoflugzeit und  450 Aufnahmen charakterisieren dieses Projekt. Darin inkludiert ist auch die Aufnahme der Kirche mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera.

Für ein anderes meiner Lieblingsprojekte war ich an der Stadtkirche Langen tätig. Dabei handelt es sich um eine 1883 geweihte neugotische Hallenkirche, deren Innenraum Ende der 1990er Jahre aufwendig renoviert wurde.

Durch mehrere Schadstellen im Dach, die nur behelfsmäßig repariert worden waren, war Wasser eingedrungen und hatte bereits deutlich sichtbare Wasserflecken im Gewölbe hinterlassen. Auch die Kirchturmspitze war teils während eines heftigen Unwetters abgebrochen und das Bruchbild noch nicht bekannt.

Arbeiten in Langen, Bildquelle: Frau Winkelmann Businessfotografie

Luftaufnahmen helfen Architekten dabei, die Kosten einer Sanierung abzuschätzen

Für die anstehende umfangreiche Sanierung wünschte der betreuende Architekt Luftaufnahmen, um die Planung und Kostenschätzung der erforderlichen Maßnahmen bestmöglich durchführen zu können. Ergänzend zum Dach sollten auch die höheren Fassadenbereiche und der Kirchturm aufgenommen werden, um diese Bereiche ebenfalls nach Auffälligkeiten und Schadensbilder wie z. B. Sandsteinabplatzungen/-verfärbungen, Fugenfehlstellen zu screenen.

Eine Drohne an dieser Kirche einzusetzen bedurfte einer aufwändigeren Vorplanung. Die Kirche liegt in einem für Drohnen ausgewiesenen Luftsperrgebiet, einer Kontrollzone und einer Zone, in der mit Funkkontakt zum Tower zu fliegen ist (wie ein Verkehrsflugzeug). Nach Einholung sämtlicher Ausnahmegenehmigungen und Anmeldung bei der zuständigen Flugkontrollzentrale am Flugtag selbst konnten vor Ort mehrere Hundert Aufnahmen gefertigt werden.
Zunächst zwei Übersichtsflüge, wo die Drohne einen vorab programmierten Flugplan abflog. Anschließend erfolgte die gezielte Aufnahme weiterer Details an verschiedenen Stellen der Kirche.

Im Büro folgten Datenweiterverarbeitung und Analyse, so wurden z. B. ein Orthofoto und 3D-Modell angefertigt.

Einmalig bei diesem Projekt war die Möglichkeit, Detailaufnahmen der Bruchstelle der Kirchturmspitze anzufertigen und andere, teils bisher unbekannte Auffälligkeiten, wie z. B. ein kleiner Baumtrieb, der oberhalb eines Balkons am Turm wuchs, festzustellen.

Während eines fünfstündigen Einsatzes vor Ort wurden rund 760 Fotos aufgenommen.

Nicht sichtbar ist die zeitintensive Aufbereitung der Projekte. Das Datenvolumen führt in der Weiterverarbeitung und Analyse zu einem Zeitaufwand, der dem fünf- bis zehnfachen der Einsatzzeit am Bauwerk selbst entspricht, abhängig von Projektumfang und Rechengeschwindigkeit.

Was fasziniert Sie an der Arbeit mit historischen Gebäuden?

Historische Gebäude sind etwas ganz Besonderes, für mich eine Art bauhistorisches Lexikon „zum Anfassen“. Jedes für sich hat seine eigene Baugeschichte und Bauweise, oft errichtet aus regional verfügbaren Baustoffen und -techniken, die heute kaum noch zur Anwendung kommen. Häufig findet man auch überraschende Details, die einem wiederum mehr über das Bauwerk und seine Geschichte erzählen als man zunächst vermutet.

Vor allem fasziniert mich die Baukunst und Expertise der damaligen Baumeister, die oft einmaliges erbauten und das nur mit wenigen verfügbaren technischen Hilfsmitteln. Wissenstransfer erfolgte mündlich oder über wenige Dokumente, und viele dieser historischen Gebäude stehen größtenteils noch. Das beeindruckt mich sehr.

Wann ist für Sie ein Ort “gut“?

Ein „guter“ Ort ist für mich verknüpft mit einer ansprechenden Mischung aus Lebendigkeit, Ruhe und einer gewissen Ästhetik .Ein Ort, an dem ich mich wohlfühle, sowohl entspannen als auch neues entdecken kann. Ein Ort, der neugierig macht und Lust auf mehr weckt. So ein Ort kann für mich sowohl ein Gebäude, ein Ort an sich aber auch eine Landschaft sein.

Wenn dann noch gutes Essen und ein Glas Wein dazukommen, dann ist der Ort wirklich gut!

Die Bilder im Beitrag wurden von Claudia Rougoor (Zangano) bereitgestellt

(Wein-)Architektur für zuhause oder für Team-Events und Gruppenveranstaltungen

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